Barock Schränke

Frankfurter Schrank in musealer Qualität, um 1750, Johann Caspar Arzt zugeschrieben

Nr: 760

Nussbaumholz furniert auf Weichholzkorpus.
Florale und figurale Intarsien in Elfenbein, Zinn und Edelhölzern.
Intarsien und Marketerie von Johann Christian Klang.

Originales Schloss.
Meisterstück!

Vgl.: Historisches Museum Frankfurt am Main

Höhe: 232 cm | Breite: 213 cm | Tiefe: 85 cm

Frankfurter Schrank
Meisterwerk des Frankfurter Möbelschreiners Johann Caspar Arzt

Das Möbel besticht durch seinen wohlproportionier-ten Aufbau, sein Furnierbild und die reiche Marketerie.

Der Frankfurter Schreinermeister Johann Caspar Arzt arbeitete häufig mit Johann Christian Klang zusammen, der die Marketerien und Intarsien aus Elfenbein, Zinn und Edelhölzern fertigte. Neben dem hier vorgestellten Schrank sind weitere Stücke bekannt; ein in Aufbau, Proportionierung und dem Reichtum der Marketerie vergleichbares Stück befindet sich im Historischen Museum der Stadt Frankfurt.


Beschreibung

Der auf vier Kugelfüßen ruhende Möbelcorpus besitzt einen architektonischen Aufbau, der sich durch eine ausgesprochen wohlproportionierte Gliederung auszeichnet. Über dem Sockel erheben sich drei Pilaster mit fein profilierten Basen und korinthischen Kapitellen, die ein auskragendes Gebälk tragen. Sockel und Gebälk verkröpfen sich analog zur Vorlage der Pilaster.

Wie für die Frankfurter Schränke üblich ist das Möbel mit einem dunklen Nußbaumfurnier versehen, das liegend, also in Querstreifen aufgebracht ist. Das Furnier ist von späteren entstellenden Behandlungen verschont geblieben und hat eine sehr schöne Patina entwickelt, die nicht unwesentlich zur Schönheit des Möbels beiträgt.

Die Vorderseite des Schrankes ist reich mit Marketerien geschmückt, die Blumen, Vögel und Figuren darstellen.

Im Gesims mittig über dem zentralen Pilaster befindet sich ein Wappen mit bekrönt von einer Herzogskrone. Vor dem doppelköpfigen Reichs-adler, der Szepter und Reichsapfel in den Fängen hält, ein gevierter Schild mit vierstrahligem Stern und Rose. Es dürfte sich um das Wappen des Auftraggebers und früheren Besitzers handelt. Seine Bestimmung steht derzeit noch aus.

Der Schrank ist mit einer Reihe von figürlichen Darstellungen ausgestattet, die sich auf verschiedenen Ebenen lesen lassen und durchaus eine Gesamtaussage erlauben.

Da sind zunächst einmal die eleganten Damen in den Türfüllungen. Sie tragen Rokokokleider und haben an kleinen Gartentischen Platz genommen, auf denen Schalen mit Blumen stehen, an deren Schönheit und Duft sie sich erfreuen.

Die Darstellungen sind in einer strengen Symmetrie um den mittleren Pilaster gespiegelt. Das betrifft auch die beiden Krieger auf den äußeren Pilastern, die ihre Lanzen nach außen halten. Anders als die beiden Damen an ihren Blumentischen sind die Krieger in einer antikisierendern Kleidung dargestellt.

In ein antikes, zweifach gegürtetes Gewand ist auch die weibliche Figur auf dem mittleren Pilaster gehüllt. Es handelt sich um eine Personifikation, daß heißt um die Darstellung eines abstrakten Begriffes mittels einer menschlichen Figur.
Personifikationen sind meist weiblich, ihre Bestimmung erfolgt über die ihnen beigegebenen Attribute, dabei sind diese oft mehrschichtig oder können von Gelehrten und Künstlern neu kombiniert werden. Bei der Darstellung mit Krone und Szepter handelt es sich um Herrschafts-symbole, die hier die fürstliche Herrschaft darstellen dürften, der Palmzweig in der Linken ist ein Zeichen des Friedens, die Personifikation dürfte daher als Ausdruck einer gerechten und friedlichen Herrschaft zu verstehen sein.

Die bereits angesprochene Symmetrie in den Darstellungen der beiden Schrankhälften findet sich auch im Sockel des Schrankes wieder, wo zwei Darstellungen der Göttin Diana zu finden sind. Die Göttin der Jagd hat sich an einem Baumstumpf niedergelassen, im Haar trägt sie die Mondsichel, die sie auch als Göttin des Mondes ausweist, in der Linken hält sie einen Pfeil, während sie die rechte Hand nach ihren Hunden ausstreckt. Auf dem Boden vor ihr liegen Bogen und Köcher. Die Göttin, die auch wegen ihrer Sittsamkeit und Tugend geachtet wird, hat ihre Waffen niedergelegt und sich im stillen Wald zur Ruhe gebettet.

Die Pilaster sind mit Vögeln und reichen Gebinden aus Blumen und Früchten verziert. Auch im Sockel finden sich Vasen voller Blumen, im Gesims dagegen sitzen Vögel und über den Türen befinden sich Ornamente aus Füllhörnern. Wie reich sich die Gaben aus diesen ergießen, zeigen die darunter in den oberen Türfüll-ungen befindlichen geflügelten Putten, die ihrerseits Füll-hörner ausschütten.

Die aufwändigen Bilder haben sicher schon immer den Betrachter erfreut, seine Beobachtungsgabe und Interpretationskraft angesprochen. Wenn auch die Darstellungen ganz unterschiedliche Bildinhalte transportieren, als mythologische Szenen, zeitgenössiche Idylle oder gelehrte Personifikation, so darf darüber hinaus jedoch auch eine Gesamtaussage vermutet werden, die sich aus den einzelnen ergibt und sich beim Betrachter assoziativ einstellen soll.

Überreich ist die Fülle an Blumen und Früchten des Schrankes, welche Putten aus ihren Füllhörnern fließen lassen und an denen sich Tiere, Menschen und die Göttin erfreuen.

Zum Erblühen bringt diesen Reichtum die friedliche Herrschaft, symbolisiert durch die Personifikation auf dem mittleren Pilaster. Nicht zufällig befindet sich diese in einer Achse mit dem oben zu sehenden Wappen. Ist es doch diese Adelsherrschaft, deren gutes und gerechtes Regiment all dies bewirkt. Die Wachen an den beiden äußeren Pilastern beschirmen diese gegen feindliche Störungen von außen.

Daß Wohlstand und Reichtum im Frieden blühen, darauf verweisen jedoch nicht allein die Figuren und Darstellungen der Marketerie, sondern der Schrank selbst legt in seiner Kunstfertigkeit und mittels seines dekorativen Reichtums davon ein beredtes Zeugnis ab.

Zurück