Art Déco Diverse

Ikone „Glykophilousa“, um 1920

Nr: 883

Holz geschnitzter Rahmen mit versilbertem geschnitzten Oklat. Bunte Glassteine , Stoff, vergoldet, Ölfarben.

 

Höhe: 236  cm | Breite:149 cm | Tiefe: 18  cm

 

Ausführliche Beschreibung:

Zu Geschichte und Bedeutung

 

Die Fragen nach der Darstellbarkeit Jesu und seiner Mutter waren seit den Tagen des frühen Christentums Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Im byzantinsichen Reich kam es im 8 und 9. Jahrhundert zu einem Bilderstreit, bei dem die Ikonen und Mosaiken zerstört wurden. Letztlich aber setzten sich die Bilderbefürworter durch und zwar mit zwei wesentlichen Argumenten. Zum einen war die menschliche Natur Jesu und Mariae darstellbar,  in der sie als Menschen auf Erden gewandelt waren. Zum anderen aber anerkannte man die Existenz göttlich legitimierter Bilder. Dazu zählten etwa die Madonnenbilder, die der Evangelist Lukas angefertigt habe und andere, auf wundersame Weise entstandenen Abbildungen, wie etwa das Schweiß- oder Grabtuch Christi sowie jene, nicht von Menschenhand erschaffenen Bilder, Archeiropiten, die von selbst erschienen waren oder von Engeln gemalt wurden. Diese Darstellungen waren statthaft, da ihr Zustandekommen durch göttliches Wirken oder zumindest mit göttlicher Einwilligung erfolgte. In der Folge wiederholte man diese legitimierten Bildtypen möglichst genau. So entstand eine Ikonen-Malerei, die ihre Stilistika über die Jahrhunderte zu bewahren suchte, um größtmögliche Ähnlichkeit zu dem Urbild zu gewährleisten. Gerade die Darstellungen der Muttergottes mit dem Jesuskind gehen dabei auf einige wenige Typen zurück, deren hochverehrte Urbilder meist in Konstantinopler Kirchen oder Klöstern aufbewahrt wurden und die anhand bestimmter griechischer Namen kategorisiert werden.

 

Bei dem hier vorliegenden Typus handelt es sich um eine Glykophilousa, „Liebkosende“, bei der Maria und das Jesuskind ihre Wangen aneinanderschmiegen. Diese Geste zeigt die innige Beziehung, die Mutterliebe, aber auch das Mitfühlen Mariens, das bereits auf die Passion vorausweist, auch die Bezeichnung Eleousa „Mitfühlende“ ist daher für diesen Typus geläufig. Für diese Darstellung ist kein Urbild nachweisbar, auch der Begriff hat sich erst in nachbyzantinischer Zeit etabliert, doch zählt der Typus wohl gerade wegen der innigen, mütterlichen Zuwendung bis in unsere Gegenwart zu den beliebtesten Ikonentypen.

 

Vor allem im russischen Raum hat sich mit der Gottesmutter von Vladimir aus dem 11. oder frühen 12. Jahrhundert ein Beispiel erhalten, das in der Geschichte Rußlands eine wichtige Rolle gespielt hat und als Nationalheiligtum verehrt wird. Die russische Bezeichnung für diesn Typus ist  Umilenie „Rührung“.

 

Ikonen dieses Typus, die in den Westen gelangten, wurden häufig als Lukasmadonnen aufgefaßt und finden sich in zahlreichen Kirchen. Die eigentliche Ikone wird dabei oft mit getriebenen und teilweise vergoldeten Silberplatten bedeckt, die nur die Gesichter freilassen und ansonsten kostbare Gewänder und Kronen bilden.

 

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